Cross-Skating gehört zu den relativ leicht erlernbaren Sportarten. Das bedeutet nicht, dass die uns spezielle Bewegungen dieser Sportart in die Wiege gelegt wurden. Wer experimentierfreudig oder mutig ist tut … [Weiter lesen...] about Cross-Skating bei „Null“ anfangen
Cross-Skater Seminar in Heusenstamm 2016

Über das Wetter kann man immer reden, trotzdem fasse ich es in wenige Worte: Am 9. und 10. April war traumhaftes Frühsommerwetter im südhessischen Heusenstamm, es hätte nicht besser sein können. Der Kreis der Teilnehmer an dieser Cross-Skating Fachfortbildung des Deutschen Cross-Skating Verbandes war mit sieben Teilnehmern klein, aber ideal, um viele Inhalte und schnelles Vorankommen zu gewährleisten. In die gut 18 Seminar-Stunden der zwei Seminartage konnte so der Inhalt von sonst drei Seminartagen gepackt werden. „Mein SchlossHotel“ beherbergte die Teilnehmer mit hellen und großzügigen Räumen und gehobenem Service. Unserer Mentalität entsprechend haben wir bewusst eine Herberge mit Ökostrom und Klimaschutzzertifikat ausgewählt. Die selbst sportlich ambitionierte Geschäftsführerin des Hotels weiß, worauf es Sportlern ankommt. So waren das hervorragende Essen, die bequemen Betten und die ruhigen Räume auch eine wichtige Voraussetzung die Inhalte des Seminars gut umzusetzen.

Die Seminarteilnehmer hatten nur kurze Wege zurückzulegen, der Schwerpunkt war natürlich das Üben und Lernen und schon nach nur 250 Metern Anfahrtsweg war der erste Übungsplatz erreicht. Die kurze Anfahrt dorthin enthielt sogar wertvolle Übungselemente auf Kopfsteinpflaster. So war der ständige sinnvolle Wechsel zwischen den insgesamt sechs Praxisteilen und der richtigen Dosis Theorie gewährleistet. Zur meiner Begeisterung verstanden die Cross-Skater intuitiv die Idee des Seminars sehr gut und waren nicht zu zeitraubenden „Spielchen“ oder Hundeplatzübungen (auch „Agility“ genannt) zu bewegen, ich hatte es also mit hochkonzentrierten und aufnahmefähigen „Musterschülern“ zu tun, die sich nicht ablenken ließen und großen Wert auf das Wesentliche legten. So kamen wir vollständig ohne unterhaltsames Füllwerk im Seminar aus und hatten trotzdem ständig volles Programm. In der Summe kamen dann doch einige Kilometer zusammen, weil wir wie sicher viele schon vermuten, nur selten länger zum Stillstand kamen.

Auch in dieser Fortbildung wurde nach der in den 1990er Jahren entwickelten statisch-dynamischen Methode vorgegangen, die sich in technischen Ausdauer-Sportarten sehr bewährt hat. Nach einem kurzen Check der Cross-Skating „Basics“ der Teilnehmer, konnten wir auch schon übergangslos zu die Ausbildungsmethoden wechseln, die besonders die Trainer unter den Anwesenden interessierten. Stufenlos gingen auch die Übungsgelände ineinander über. Die zwei Teile des Schlossparks haben direkten Anschluss an das große Waldgebiet zwischen Heusenstamm und Offenbach. Trotz des schönen Ausflugswetters hatten wir in dieser dicht besiedelten Gegend erstaunlich wenig Reibung mit anderen Verkehrsteilnehmern und die Fußgänger und Radfahrer waren durchweg von südhessischer Gelassenheit geprägt.

Sehr schnell waren wir bei den Grund-Stilarten, Skating-Schritt, Doppelstockschub, Zweitakter und Eintakter angelangt und befassten und von Anfang an intensiv mit dem Besonderheiten, die es dabei im Cross-Skating Sport zu beachten gilt. Die Unterschiede zum Ski-Skating wurden schon in den Grundtechniken hervorgehoben und spürbar. Nach einem weiteren Theorie-Einschub und hervorragendem Mittagessen ging es nach nochmals kurzer Theorie weiter mit den Spezialtechniken des Cross-Skatings: Dreipunkttechnik als didaktisch sinnvolle Basis für sicheres Cross-Skating und alle höheren Techniken, dem orthopädisch und bewegungstechnisch sehr interessanten Permanentschub-Skating und letzten Endes auch den „gezogenen“ Techniken, die dann auf die vortriebsstärkste Triple-Push-Technik hinausliefen.
Warum Martin Fourcade „hüpft“ und wir längere Stöcke brauchen als er …

Auch diese Frage haben wir im Seminar theoretisch und praktisch beantwortet, es würde aber den Rahmen sprengen dies hier noch einmal zu wiederholen. Videokontrolle und -analyse war dann einer der Hauptschwerpunkte des Seminars, es liefen bis zu drei Kameras gleichzeitig. Neben der schnellen Sofort-Analyse vor Ort bei Kaffee und Kuchen (sorry, Küchlein, die waren außerplanmäßig und ein Geschenk des Hauses – Danke, Petra Baake!), werden die Aufnahmen noch mittelfristig kommentiert und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer-Besetzung des Seminars war übrigens vom Feinsten, die erfahrenste Cross-Skaterin Deutschlands war dabei, Langstrecken-Legende „Gary More“, ein Hund mit skatender Begleitung, ein Mediziner, ein cross-skatender Backerzeugnis-Hersteller (hmmm, die Brötchen waren lecker), ein erfahrener Biathlon Veranstalter und Jörg, der uns alle, trotz seines Seh-Handicaps, mit seinen Fähigkeiten auf Cross-Skates überraschte. Jeder Teilnehmer trug auf seine Weise zur Bereicherung des Seminars bei. Unser stark sehbehinderter Teilnehmer führte uns vor Augen unter welchen Voraussetzungen Cross-Skating möglich ist und mobilisierte bei uns die Nutzung unserer weiteren Sinne. Seine Integration in die anspruchsvolle Gruppe, war aber überhaupt kein Problem.

Am Abend der ersten Tages gab es eine gemeinsame Abendrunde zum Abschluss, die weniger als Tour gedacht war, viel mehr als Selbstkontrolle des Gelernten in schöner Umgebung. Natürlich konnte man immer noch einige Korrekturen anbringen und auch die Teilnehmer waren rege dabei sich weiterhin selbst und auch andere zu korrigieren. Der Boden wurde bewusst in einer sinnvollen Mischung aus rauem und glattem Boden gewählt um die Lernbedingungen weder zu leicht noch zu schwer zu gestalten. Nach dem Abendessen halfen die komfortablem Übernachtungsräume das Gelernte über Nacht „sacken“ zu lassen. Gute Lern-Bedingungen sind immer wichtig, damit der Aufwand lohnt. Die gute Laune und Engagement allein hätten sicher nicht ausgereicht, um das Bestmögliche zu bieten.

Am Sonntag waren dann schon alle in ihrer Fahrtechnik besser. Sogar was am Vortag mitunter nur gerade so grenzwertig einleuchtete, hatte das Gehirn in der Ruhephase sortiert und besser abrufbar gemacht. Alle Teilnehmer standen schon ganz anders auf ihren Cross-Skates. Bemerkenswert war, dass einige Teilnehmer bereits Cross-Skate-Erfahrung weit im fünfstelligen Kilometerbereich aufweisen konnten. Es ist also nie zu früh und nie zu spät intensiv an einer Technik-Korrektur zu arbeiten, auch ich fühlte mich am Sonntag irgendwie „souveräner“ auf den Cross-Skates.
Am zweiten Tag widmeten wir uns dann ganz speziell den höheren Techniken. Anstrengend und doch mehr unterhaltsam als bereits sinnvoll, war dann die Showeinlage „gehüpfte Fourcade-Technik“ auf Cross-Skates, die in unserer Sportart nur für gezielte Belastungsspitzen im Training und zur Unterhaltung der Zuschauer tauglich zu sein scheint. Genau wissen wir es alle noch nicht und die Hausaufgabe an die Seminarteilnehmer war es, diese Technik bis zum nächsten Seminar so locker und leicht wie Martin Fourcade über mehrere Kilometer Distanz demonstrieren zu können. Wo aber gesprungene Techniken auch für uns Cross-Skater heute schon Sinn machen, haben wir im Seminar auch ausprobiert.
Weitere Videoaufnahmen wurden dann am zweiten Tag ebenfalls gemacht und analysiert. Das gefühlte High-Light am zweiten Seminartag war der „Härtetest“ auf Grobschotter. Dabei absolvierten alle Teilnehmer eine gut 300 Meter lange Steigung mit Grobschotter erfolgreich. Deutlich wurde hier nochmals, dass unter den Faktoren Leistungsfähigkeit, fahrtechnisches Vermögen, technische Ausrüstung und Abstimmung der technischen Ausrüstung immer das schwächste Glied in der Kette dazu führt, dass man nicht weiter kommt. Angesichts der Tatsache, dass bis zu 70 % die Fahrtechnik über das Vorankommen entscheidend sein kann, waren doch alle froh, so intensiv an ihrer Technik gearbeitet zu haben.

Spaß war beim Seminar kein Selbstzweck oder eine Ausrede für fehlende Inhalte, die ehrgeizigeren Teilnehmer trieben mich und sich selbst in angenehm schnellem Lerntempo durch das Seminar. Der Spaß kam dann durch die sichtbaren und spürbaren Erfolge – er wurde viel gelacht und besonders die Experimentierfreude und Selbstironie einiger trug nochmals erheblich zur Auflockerung der Stimmung bei. Vielen Dank an dieser Stelle besonders auch an die komatöse Cross-Skating Diva! (Achtung: Insider-Witz!).
Die Vorgehensweise im Seminar war, wie bei allen unseren Ausbildungen üblich, nicht-linear. Die traditionellen „Übungsreihen“ haben sich im komplexen Cross-Skating Sport schon vor rund 10 Jahren als sicherer Weg in die didaktische Sackgasse erwiesen, ganz besonders, wenn sie Nicht-Cross-Skating-Sportarten entliehen wurden. So gingen wir mindestens nach der Fließbild-ähnlichen zweidimensionalen Netzmethode vor, in den höheren Stilarten dann sogar nach „dreidimensionalen“ Lehrmethoden (3 D Matrix), was Dank der vielen kreativen Einschübe, der aktiven Mitarbeit, konstruktiver Kritik und angebrachten Zwischenfragen der Teilnehmer leicht möglich war.
Die Ambivalenz des Sportes, die starre Schemata verbietet, wurde auch in diesem Seminar wieder deutlich und wird als Anlass genommen die Unterrichtsmethoden nochmals zu erweitern. Wenn jede Antwort weitere Fragen aufwirft, ist die künftige Weiterentwicklung des Sports gesichert.
Weitere Seminare, Workshops und Kurse für jedes Leistungsniveau, vom Handicap-Sportler bis zum Profi-Niveau, werden im Rhein-Main Gebiet folgen.